Liebe*r Bildungsinteressierte*r,
in Deutschland entscheiden die Startchancen von Kindern noch immer viel zu oft über ihren weiteren Lebensweg. Nicht Talent oder Potenzial, sondern Herkunft, Einkommen und Bildungsgrad der Eltern prägen Bildungschancen – und das früher, als viele denken.
Studien zeigen: Bereits mit 18 Monaten kennen Kinder aus wohlhabenden und bildungsnahen Familien deutlich mehr Wörter als andere Kinder. Mit drei Jahren ist ihr Wortschatz im Durchschnitt doppelt so groß wie der von Kindern aus armutsbetroffenen Familien. Schon vor der Einschulung gehen die Wege auseinander. Forschende gehen davon aus, dass ein Großteil der Leistungsunterschiede zwischen Jugendlichen bereits in der frühen Kindheit entsteht. Viele dieser Unterschiede können später nicht mehr aufgeholt werden.
Strukturelle Ungleichheit beginnt nicht erst im Klassenzimmer. Sie beginnt bei Wohnraum, Gesundheit, Zeit, Stress und der Frage, welche Möglichkeiten Kinder überhaupt erleben. Während manche Kinder mit Büchern, Musikunterricht oder Reisen aufwachsen, erleben andere finanzielle Sorgen, beengte Wohnverhältnisse oder fehlende Unterstützung im Alltag.
Dennoch wird oft so getan, als hätten alle die gleichen Chancen. Dabei hängt Bildungserfolg in kaum einem anderen europäischen Land so stark vom Elternhaus ab wie in Deutschland. Millionen Potenziale bleiben so unentdeckt.
Die aktuelle UNICEF-Studie zum Wohlbefinden von Kindern belegt eindringlich, wie ernst die Lage ist: Deutschland schneidet erneut unterdurchschnittlich ab und belegt im Bereich Bildung einen alarmierenden 34. Platz von 41 Ländern mit vergleichbaren Bildungsdaten. Kinderarmut stagniert auf einem hohem Niveau.
Gerade deshalb ist zivilgesellschaftliches Bildungsengagement so wichtig. Es stärkt dort, wo staatliche Strukturen an Grenzen stoßen. Bildungsengagierte schaffen Teilhabe, begleiten junge Menschen individuell und machen Bildungsorte stärker.
Gemeinsam mit euch und 5,9 Millionen ehrenamtlich Bildungsengagierten setzen wir uns bundesweit für gerechte Bildungschancen ein und wirken struktureller Ungleichheit entgegen. Wir stärken Kita- und Schulfördervereine, Eltern- und Schüler*inneninitiativen, Kita- und Schulfördervereine und Bildungsprojekte vor Ort. Wir fördern Beteiligung junger Menschen, Demokratiebildung und Teilhabe.
Mit mehr Unterstützung können wir noch mehr bewegen: mehr Bildungsprojekte fördern, mehr Beteiligungsräume für Kinder und Jugendliche schaffen, mehr Bildungsengagierte qualifizieren und vernetzen, Erziehungsverantwortliche mehr unterstützen, Fachkräfte entlasten und frühe Bildungsorte besser ausstatten. Kurz gesagt: Wir können noch mehr dazu beitragen, dass aus Herkunft nicht Zukunft wird.
Bildung darf kein Privileg sein. Gemeinsam können wir Bildung verändern, indem wir Verantwortung übernehmen und diejenigen frühzeitig stärken, die benachteiligt werden. Eure Unterstützung hilft, Bildungswege gerechter zu gestalten und Kindern und Jugendlichen Räume zu eröffnen, in denen sie wachsen, mitgestalten und ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen können. Danke, dass ihr Bildungsgerechtigkeit möglich macht.
Engagierte Grüße
Euer Team der Stiftung Bildung |